D wie disneyland

Walt Disney soll einst gesagt haben, sein Vergnügungspark sei nicht nur für Kinder konzipiert, sondern auch Erwachsene dürften hier wieder jung sein. Disneyland erscheint also als perfekte Scheinwelt, als weichgezeichnete Attrappe der Wirklichkeit. Genauer betrachtet ist diese Annahme allerdings irreführend:

Es ist nicht einfach eine Plüschwelt der Realität – es ist die Realität.

Zumindest wenn man dem Philosophen Jean Baudrillard folgt. Dessen Konzept der Hyperrealität beschreibt eine Simulation, die uns nicht bloß die Fiktion einer Welt aus Zuckerwatte beschert, sondern gleichzeitig eine Trennlinie zwischen Wirklichkeit und Attrappe zieht. Doch eben das sei eine Illusion: Disneyland vertuscht, dass unser Leben außerhalb des Parks längst eine Simulation ist, Abbilder realer als die Realität sind. Wer weiß schon, ob die flachen Bäuche der Modemagazine echt sind? Aus diesem Grund war Dismaland, das letztjährige Großprojekt des Street-Art-Künstlers Banksy, so eine verstörende Dekonstruktion Disneylands. Sie illustrierte das wenig zuckrige Fundament unter Disneys Knusperhäuschen.
©2020 Philipp Schäfer

G wie Geschichte des flohmarkts

Eine Erklärung für die Entstehung des Flohmarkts geht auf Napoleon zurück, der seinerzeit Krämer aus ihren Geschäften warf, als er die Pariser Straßen in Alleen verwandelte. Diese mussten sich nun mit dem Handel unter freiem Himmel begnügen. Die slumartigen Zustände führten rasch zu dem Spitznamen

„marché aux puces“ — 
der Markt der Flöhe.

Eine weitere Erklärung sieht im Flohmarkt Reste eines karitativen Brauchs: Fürsten verteilten Altkleider an die Bevölkerung, die sogleich mit den Luxusstoffen Handel trieb. Der Hermelinmantel als Nebenwährung, sozusagen. Nicht auszuschließen, dass man Flöhe mitkaufte. Flöhe sind auf Flohmärkten heute eher selten, Hermeline allerdings auch.

Der Meditierende mönch

Laut Bericht der Siberian Times ist dieser mumifizierte buddhistische Mönch nicht nur beinahe einem Schwarzmarkthandel in der Mongolei zum Opfer gefallen, sondern möglicherweise gar nicht tot — bloß in tiefster Meditation versunken. Nach mehr als 200 Jahren konzentrierter Versenkung soll er gar kurz vor dem Eintritt in die Erleuchtung stehen.

Ich denke, also bin ich —

diese Einsicht René Descartes’ stammt nicht zufällig aus einem Werk, das den Titel Meditationen trägt. Denn in diesem beweist Descartes auch die Unsterblichkeit der menschlichen Seelensubstanz. Eine Idee übrigens, die es im Verlauf der buddhistischen Meditation unbedingt als reine Fiktion zu durchschauen gilt. Was offenbar dauern kann.
©2020 Philipp Schäfer

der saibling

Der Saibling gehört zu den Salmoniden, also den lachsartigen Fischen, und ist ganz schön fett. Zu erkennen ist er übrigens an seinen rostbraunen Flecken sowie an der für Lachsfische typischen Fettflosse. Er ist außerdem recht wählerisch: Der Saibling fühlt sich nur im frischen Wasser wohl. Zum Glück bietet Opa Krauses Teich davon eine ganze Menge. Vom Berg zum Teich und in den Saibling fließt das klare Quellwasser, in dem der Fisch hervorragend gedeiht. Die harte Arbeit, die Teich und Fisch mit sich bringen, wird am ende mit einer der frischesten Speisen belohnt, die man sich vorstellen kann.

der saibling ist verdammt schlau.

Um ihn zu fangen, muss man also schlauer sein. Sobald er die Lunte riecht, nimmt er Reißaus. Da ist man schnell aus der Puste. Wer dem Fisch nicht hinterherrennen will, geht im Team vor: Während der Saibling von der einen Seite aufgeschreckt wird, wartet auf der anderen Seite das Netz. Übrigens: Wer zögert, quält den Fisch. Ein saftiger Hieb auf den Kopf sollte genügen. Wer sich das nicht vorstellen kann, sollte es lieber bleiben lassen.

Welcome (to) Babylon LA

The term “Babylon” can refer to a bunch of things. For anarchists, Babylon is a derogatory term for a system of oppression and may include the police, politicians, and authoritarian bureaucracy. To Protestants, it is synonymous with the Roman Catholic Church and its perceived corrupting luxury. Historically speaking, Babylon was the capital of the state of Babylonia in Mesopotamia (today, the region is covered by Iraq, Kuwait, and parts of Syria and Turkey). Merriam-Webster, finally, defines Babylon as “a city devoted to materialism and sensual pleasure.” In short, Babylon denotes either a hellhole or a sanctuary, depending on how you look at things. Coincidentally, this also holds true for the City of Los Angeles,

that glittering place of yearning (or damnation), where one of our newest brands, Babylon LA, is from.

Babylon LA’s founders, Lee Spielman and Garrett Stevenson, are punk rockers, skateboarders, and fashion entrepreneurs. In that order, one gets the feeling. They don’t simply run an anonymous t-shirt brand; Spielman and Stevenson operate at the intersection between skate, music, art, and fashion. For one, they actually skate and play in a band called Trash Talk. Second, they design their cut-and-sew clothing themselves and have them made in America. Speaking of which, their pieces are notably dark and grim (with some exceptions) for a company that is headquartered the always-sunny City of Angels – and it’s an indication that Babylon LA is true to the complex meaning of their namesake. In the course of its existence, Babylon LA has made a name for itself as a hub for the local skate community, hosting events and contests as well as supporting kids with stuff and industry contacts. In an interview, Spielman asked provocatively: “What can you do for people that’s (sic!) not just fucking selling clothes? The physical brick-and-mortar is 100 percent of the driving force behind our brand.” This is a sentiment we can get behind. You can buy Babylon LA at our webshop and our store in Frankfurt.
©2020 Philipp Schäfer
©2020 Philipp Schäfer

wiedergeburt

This space was once forgotten. The greasy floor, the rusty tools, the discarded car parts: an old repair shop, left for dead. An energy remained, however, in the cracks in the ground, in the instruments’ signs of use, between the unremembered shelves and within the mute machinery.

They were specters haunting the empty halls, silently remembering a past that had a use for them.

Is a tool still a tool if it is no longer utilized? What about an engine cover? Can something exist without being perceived? Reshaping the forms that were left behind, 97cm attempted to resurrect the dead. We reintegrated the decaying everyday artifacts into the cycle of nature: the symmetric becomes asymmetric, the familiar becomes unfamiliar, and dead matter comes to life. Abandoned in the past, reborn in the present, present in the future: this is now a space for rebirth.